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roadtrip
NORDPOLEN

 

Zwischen Küste und Kaschubei

Polen

Geschichte

Van

ROUTE

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Frühjahr 2025

Wolin – Kluki – Leba – Gdańsk – Malbork – Wdzydze – Szczecin – Chorin

Karte Reiseroute Polen

Leider gab es zahlreiche durchaus nachvollziehbare Argumente gegen eine Reise zum Nordpol …
ok, dann halt Nordpolen.

Stickerei

Polen, Pommern, Kaschubei, Danzig – von hier stammt mein Großvater väterlicherseits. Woher genau konnte ich leider nicht mehr erfragen, dennoch kann man sich ja einmal grob umsehen … und dabei auf dem Weg natürlich diverse Freilichtmuseen besuchen und Geschichte erleben.

„Wszędzie dobrze, gdzie nas nie ma.“

POLNISCHES SPRICHWORT

So, sparen wir uns hier mal das ganze Rumgejuckele über die A2 nach und durch Berlin, vorbei an unzähligen polnischen LKW  und beginnen den Bericht einfach direkt an der Ostseeküste. Polen gilt ja allgemein nicht zwingend als Traumziel erster Wahl. Selbst ein polnisches Sprichwort haut in die gleiche Kerbe, denn „Da wo wir nicht sind, ist das Glück.“

Die weiten Sandstrände sind im Hochsommer dennoch gut gefüllt. Heute nicht – es ist Ende April.

Ostseeküste | Strand
Ostseeküste | Kirchenruine Hoff

„Gdzie prąd zawraca w kablach.“

POLNISCHE REDENSART

„Wo der Strom in den Kabeln umdreht.“
Vergleichbar mit „Da, wo der Pfeffer wächst.“

vanlife?

Damit man nicht das beste Licht im Hotelzimmer verpennt, ist die sinnvollste Lösung einfach gleich direkt vor Ort mit griffbereiter Kamera zu übernachten … klappt auf dieser ersten Erkundungstour schon recht gut. Der Van-Ausbau funktioniert wie erhofft und ruhige Stellplätze gibt’s auch.

 

Stellplatz gefunden
Abendstimmung auf Heckscheibe

Wolin

Slawen- und Wikingersiedlung

53° 51′ N, 14° 37′ O
Rekonstruktion einer frühmittelalterlichen Siedlung mit 27 Hütten. Während der Saison wohnen und arbeiten hier Vereinsmitglieder und beleben das Dorf mit diversen historischen Handwerken … hab kurz überlegt, direkt da zu bleiben.

Slawen- und Wikingersiedlung Wolin|

Wieder einmal konnten wir uns beinahe allein über ein Museumsgelände bewegen … ein Wochenende später brachen ganze Touristenstämme (wahrscheinlich Germanen) über das Dorf hinein, wie Freunde berichteten. 

Slawen- und Wikingersiedlung Wolin
Slawen- und Wikingersiedlung Wolin
Slawen- und Wikingersiedlung Wolin
Freilichtmuseum Kluki

Kluki

Slowinzisches Dorfmuseum

54° 41′ N, 17° 20′ O
Das ehemalige Fischerdorf mit seinen komplett eingerichteten Gebäuden ermöglichen einen authentischen Blick in das slowinzisch-kaschubische Leben.
Die nette Dame vor Ort hat uns freundlich aufgeschlossen.

Wydma Łącka

Lontzkedüne bei Łeba

54° 46′ N, 17° 33′ O
Und nun zu etwas völlig anderem :: Die viertgrößte Wanderdüne Europas – auch „Polnische Sahara“ genannt.

Der gesamte Dünenbereich umfasst ungefähr die Fläche von 700 Fußballfeldern und hat eine höchste Erhebung von 42m. Pro Jahr bewegt sich die Düne ca. 10 Meter in Richtung Osten. Den Bewohnern von Łeba bleiben somit noch knappe 400 Jahre … der Anstige des Meeresspiegels erwischt sie voraussichtlich früher.

Gdańsk

Danzig

54° 21′ N, 18° 39′ O
Danzig hat eine lange Geschichte als Hansestadt und war in den 1980ern das Zentrum der oppositionellen Gewerkschaftsbewegung um Lech Wałęsa.
Heute ist Danzig Hauptstadt der Woiwodschaft Pommern und mit knapp 490.000 Einwohner nur wenig kleiner als Hannover.

Im Zweiten Weltkrieg wurden durch Kampfhandlungen, Bombardierungen, Tieffliegerangriffe und Plünderungen nahezu 90% der Danzigs zerstört. In der Folge wurden deutsche Einwohner vertrieben und preußische Bauten beim Wiederaufbau vernachlässigt oder abgerissen. Erst nach dem Ende des Kommunismus begann man auch die preußische Epoche zu restaurieren. 

Betrachtet man die prachtvolle Stadt heute, ist das Ausmaß der damaligen Zerstörung kaum noch zu erahnen.

Danzig Altstadt

Zu den berühmtesten Söhnen der Stadt gehören sicherlich Daniel Gottlieb Fahrenheit, Arthur Schopenhauer, Klaus Kinski, Günther Grass … und nicht zu vergessen, Generalmajor Adolf Lölhöffel von Löwensprung sowie der Bürgermeister und königliche Burggraf Daniel Zierenberg (Grüße gehen raus an rabazzo!)

artushof

Erstmals 1357 als „curia regis Artus“ erwähnt, wurde dieses repräsentative Gebäude von der St-Georgs-Bruderschaft für elitäre und zwingen adlige Gäste erbaut, denen dort verschiedene Vergnügungen und Zeremonien geboten wurden. Später diente der gotische Saal für öffentliche Gerichtsverhandlungen, ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude zur Börse umgewandelt. Der Saal stand dabei weiterhin für kulturelle Ereignisse und internationale Begegnungen zur Verfügung – er gilt bis heute als einer der schönsten Säle Europas.

Danzig | Artushof

uphagenhaus

Spätbarock und Rokoko – so prunkvoll lebte es sich in einem Bürgerhaus des späten 18. Jahrhunderts.  Es ist das einzige erhaltene Haus dieser Art in Polen und bereits seit 1911 der Öffentlichkeit als Museum zugänglich. Im Krieg komplett zerstört wurde es 1953 sorgfältig rekonstruiert, aber erst 1998 wiedereröffnet. 

Danzig | Uphagenhaus
Danzig am Abend

Sołdek

Der ehemalige polnische Kohle- und Erzfrachter dient heute als  Museumsschiff. 

Kulinarik-sammlung

  • Kalte Gurkensuppe  mit Brot
  • Piroggen mit Krautsalat und Preiselbeermarmelade
  • Altpolnische Sauermehlsuppe mit Ei und Weißwurst auf Geräuchertem gekocht, mit Meerrettich gewürzt
  • Polnische Blutwurst mit roten Zwiebeln und karamellisiertem Apfel
  • Danziger Goldwasser (Achtung! Schleicht sich gar nicht erst leise von hinten an, haut einen direkt um)

Empfehlung: „Gdański Bowke“ – uriges und sauleckeres Restaurant in einem Gewölbe direkt am westlichen Mottlau-Ufer.

Gurkensuppe

Malbork

Marienburg

54° 2′ N, 19° 2′ O
Das weltweit größte Backsteinschloss mit einer Gesamtfläche von 20 Hektar.

Malbork | Marienburg

Zwischen 1270 und 1390 vom Deutschen Orden erbaut, verlegte dieser seine Machtzentrale 1309 von Venedig an das Ufer der Nogat. Die Ordensritterburg steht wie kaum ein anderes Gebäude für die Eroberung des Osten Europas, inklusive der damit verbunden Zwangstaufen und Kolonialisierung. Auch ihre gotische Architektur hatte großen Einfluss auf die Region.

Malbork | Marienburg
Malbork | Marienburg
Malbork | Marienburg

Grodzisko Owidz

Museum für slawische Mythologie

53° 57′ N, 18° 34′ O
Keiner da, aber das Tor war offen ….  ja, so beginnen die meisten Gruselgeschichten.
Es verwundert daher kaum, dass der Besuch von mystischen Figuren begleitet wurde.

Grodzisko Owidz
Grodzisko Owidz
Slawische Mythologie | Baba Jaga

Baba Jaga

Die „Großmutter des Teufels“ – eine alte, hexenähnliche Waldfrau, die in einer auf Hühnerbeinen stehenden Hütte lebt. Sie gilt als unberechenbar und gefährlich. So isst sie Menschen und dekoriert ihren Zaun mit deren Schädeln. Sie fliegt mit einem Mörser, den sie per Stößel lenkt und verwischt ihre Spuren mit einem Besen.

Slawische Mythologie

kotschtschei

Ein alter, hässlicher Mann, der junge Frauen bedroht und den Beinamen „der Unsterbliche“ führt. Man kann ihn nur töten, wenn man die Nadel zerstört, die er gut versteckt hält … in einem Ei, das sich in einer Ente befindet, die wiederum in einem Hasen steckt, der in einer  eisernen Kiste sitzt und die letztendlich unter einer Eiche auf einer Insel vergraben liegt.

Slawische Mythologie

Mittagsfrau

Die knochige Gestalt im weißen Gewand, eine Sichel bei sich führend, gilt als Wiedergängerin toter Bräute. An heißen Tagen schleicht sie zur Mittagszeit über die Felder und straft jene, die während der Mittagsruhe auf dem Feld arbeiteten. Man kann sich allerdings vor ihr retten … indem man eine Stunde lang über Flachsverarbeitung philosophiert.

 

Slawische Mythologie

MOKOŠ

Die Göttin der Fruchtbarkeit und Weiblichkeit wird auch als „feuchte Mutter Erde“ gefeiert. Sie gilt als Schutzpatronin der Mütter, der häuslichen Arbeit sowie der Webkunst. Durch letzteres wird sie oft auch als Schicksalsweberin assoziert. Im Hintergrund sieht man eine dem „Idol von Sbrutsch“ entliehene Darstellung ihres Mannes Perun, dem Gott des Donners und des Krieges.

Wdzydze Kiszewskie

Wdzydze Kiszewskie

Kaschubischer Ethnographischer park

54° 1′ N, 17° 56′ O
Im 17. Jahrhundert lebten hier 11 Fischerfamilien, doch immer mehr Einwohner zogen auf der Suche nach Arbeit fort.
Aus dieser armutsbedingten Entvölkerung entstand 1906 in einer der verlassenen Bauernhütten das erste und somit älteste Freilichtmuseum Polens. 
Heute erstreckt sich das Museum über 22 Hektar und beherbergt inzwischen über 50 Gebäude, die die Vielfältigkeit der polnischen Dorfarchitektur zeigen.

Wdyzydze | Holzkirche

Definitiv eines der umfangreichsten und schönsten Freilichtmuseen bisher!
Ganz besonders hier verfalle ich dem romantisierten Wunsch eines Lebens in einer kleinen abgelegenen Dorfgemeinschaft … aber gerne mit Supermarkt knapp außer Sichtweite und verlässlichem WLan.

Wdzydze Kiszewskie
Wdzydze Kiszewskie
Stellplatz am See

Szczecin

Stettin

53° 25′ N, 14° 33′ O
Nach den vielen intensiven Eindrücken konnte Stettin einfach nicht mithalten.
Glücklicherweise ergaben sich im „be happy“-Museum aber ein paar spaßige Motive für das Begleitprojekt #blondinevonhinten.

Polenmarkt

Und auch den Ramsch eines Polenmarktes kann man sich getrost sparen … nur angucken, lieber nichts kaufen.

Kloster Chorin

52° 53′ N, 13° 53′ O
Nach den enttäuschenden Zwischenstopps in Stettin und auf dem Polenmarkt, war etwas grenzüberschreitende Einkehr und Ruhe nötig.
Und wo findet man die, wenn nicht im Kloster …

„Noc jest po to, by marzyć.“

DIE NACHT IST ZUM TRÄUMEN DA.

Post Scriptum

#blondefrombehind | #blondinevonhinten

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